Lux und Lumen bei Foto- & Videoleuchten
Wenn du Foto- oder Videoleuchten vergleichst, stolperst du fast immer über Lumen und Lux. Beides sind ‚Licht‘-Einheiten – aber sie beantworten verschiedene Fragen:
- Lumen (lm)
Wie viel sichtbares Licht kommt insgesamt aus der Leuchte raus? - Lux (lx)
Wie viel Licht kommt auf deinem Motiv an (bei einem bestimmten Abstand/Setup)?
Gerade bei LED-Llicht ist Lux in der Praxis oft die hilfreichere Größe – aber nur, wenn man die Messbedingungen versteht.
Was ist was?
Lumen (lm) – Lichtstrom
Lumen misst den gesamten ‚Lichtstrom‘, den eine Lichtquelle abgibt – unabhängig davon, wo er hingeht. Technisch ist das eine photometrische Größe, also nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtet (photopisch). Deshalb sind Lumen/Lux nicht ‚reine Physikleistung‘, sondern ‚Helligkeit aus Sicht des Menschen‘.
Lux ist Licht pro Fläche
1 Lux = 1 Lumen pro Quadratmeter
Lux ist also eine Aussage darüber, wie hell eine Fläche beleuchtet wird. Für Video/Fotografie heißt das: Lux ist (bei bekannter Messdistanz) sehr nah an dem, was dich für Belichtung interessiert.
Wichtig: Eine Lampe kann also viele Lumen haben – und trotzdem am Motiv wenig bewirken, wenn das Licht breit gestreut oder stark gedifft ist.
Warum Lumen bei Video-/Fotolicht oft ‚unfair‘ ist
Zwei Leuchten können gleich viele Lumen haben – aber völlig unterschiedliche Lux am Motiv erzeugen, weil sie das Licht unterschiedlich bündeln. Dafür braucht man noch eine dritte Größe: Candela (cd) – Lichtstärke in eine Richtung
Candela beschreibt, wie ‚intensiv‘ Licht in eine bestimmte Richtung abgegeben wird. Der Zusammenhang ist: candela = lumens ÷ steradians (also: Lichtstrom geteilt durch Raumwinkel) und für eine punktförmige Quelle gilt näherungsweise (in Achse): Lux = Candela / Abstand²
Das erklärt die Praxis: Spot/Reflektor/Fresnel → höherer Candela-Wert → mehr Lux am Motiv.
Der wichtigste Praxis-Effekt: Abstand
Wenn du den Abstand verdoppelst, fällt die Beleuchtungsstärke auf ein Viertel (bei ähnlicher Abstrahlung):
- 1 m → 100%
- 2 m → 25%
- 3 m → 11%
- 4 m → 6%
Das ist der Grund, warum ‚Lux @ 1 m‘ ohne Kontext schnell irreführt: Ein kleines Positions-Update im Set kann deine Belichtung massiv verändern.
Beam-Angle: gleiche Lumenwert, völlig andere Lux
Stell dir zwei Leuchten mit 3000 lm vor:
Enger Abstrahlwinkel
(z.B. 60° Reflektor): Licht wird konzentriert → am Motiv deutlich mehr Lux
Breiter Abstrahlwinkel
(z.B. eine Softbox): Licht verteilt → am Motiv weniger Lux
Das ist auch der Grund, warum Hersteller oft lieber ‚Lux @ 1 m mit Standardreflektor‘ angeben: Das ist für das Produkt vorteilhaft – aber nur vergleichbar, wenn Reflektor/Zoom/Abstand identisch sind. Lumen sagt ‚wie viel Licht insgesamt‚. Lux sagt ‚wie viel Licht kommt bei dir an‚.
Lichtformer – was passiert mit Lux & Lumen?
In der Praxis verändern Lichtformer fast immer beides:
Striplight/Softbox/Octagon
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- verteilt das Licht auf eine größere scheinbare Quelle (weicheres Licht)
- schluckt oft Licht (Materialverluste)
- Ergebnis: Lux am Motiv sinkt deutlich
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Grid/Wabe
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- begrenzt Streulicht, bündelt
- oft weniger Spill, teils weniger Gesamtlicht – aber mehr Kontrolle
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Reflektor/Fresnel/Spot/Snoot
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- erhöht Lux in der Achse massiv, aber auf Kosten der Fläche
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Darum sind ‚Lux-Werte‘ ohne das konkretes Setup (ohne/mit Reflektor/mit Softbox/Lichtformer) nur eingeschränkt brauchbar.
Warum ‚hell genug‘ nicht alles ist
Bei Video/Foto zählt nicht nur Helligkeit, sondern auch Farbqualität und Farbspektrum:
CRI / Ra
Der CIE Color Rendering Index (CRI/Ra) bewertet, wie ’natürlich‘ Farben unter einer Lichtquelle im Vergleich zu einem Referenzlicht wirken. Aber der CRI hat bekannte Grenzen – gerade bei modernen LED-Spektren. Die CIE selbst weist darauf hin, dass Ra nicht immer gut mit wahrgenommener Farbwiedergabe korreliert und bei LEDs Verbesserung nötig wurde.
TLCI (für TV/Kamera besonders relevant)
TLCI-2012 wurde von der EBU entwickelt, um die Farbwiedergabe aus Kamerasicht besser abzuschätzen (und explizit als Verbesserung gegenüber CRI für TV-Produktion gedacht).
CCT (Farbtemperatur) ist etwas anderes
CCT (z.B. 3200°K/5600°K) beschreibt die Farbtemperatur (warm/kalt), nicht die Farbwiedergabe. Eine 5600°K-Lampe kann trotzdem schlechte Hauttöne machen, wenn das Spektrum (CRI) ‚löchrig‘ ist.
Als Praxis-Empfehlung (Daumenregel) gilt für Interviews/People: lieber hoher TLCI (oder sehr guter CRI) als nur ‚viel Lux‘. Lux/Lumen helfen dir bei Belichtung – TLCI/CRI helfen dir bei Farben.
Lux in echte Kamera-Belichtung übersetzen
Wenn du mit Luxmeter arbeitest (flacher Sensor), kannst du Lux über die ISO-Normbeziehung grob in Belichtung/EV übertragen.

